Ausgebrannt

Bin ich schon ausgebrannt?

Die Checkliste zu den Burnout-Stufen

Burnout ist in aller Munde, überall ist es zu lesen. Jeder fünfte in Deutschland durchlebt Burnout-ähnliche Phasen. Jeder dritte fühlt sich erschöpft. Ich frage mich, wenn derart viele Menschen an den Folgen leiden oder damit zu kämpfen haben, die Branche damit Millionen (und mehr) verdient, weshalb Burnout nicht endlich als Krankheit deklariert wird?!

Meines Erachtens ist es eine ernstzunehmende Angelegenheit. Aber da es keine offizielle Krankheit ist, bleibt auch die Ernsthaftigkeit entsprechend aus. Aktuell werden andere Krankheiten diagnostiziert, um die (gleichen) Symptome behandeln zu können. In meinen Augen liegt hier etwas gewaltig im Argen. Denn solange hier nicht von offizieller Stelle ernsthaft damit umgegangen wird, werden es die Menschen erst recht nicht tun und es weiterhin auf die leichte Schulter nehmen. Sie werden sich erst dann damit beschäftigen, wenn es schon sehr spät oder zu spät ist.

Aus diesem Grund möchte ich dir heute die Ernsthaftigkeit der „Folgeerscheinung“ von psychischen und physischen Überlastungen nahe legen. Wenn du dich dauerhaft überlastest bzw. belastet wirst und nichts dagegen unternimmst oder Maßnahmen ergreifst, um resilient zu bleiben, wirst du möglicherweise eines Tages am Boden liegen – um es bildhaft auszudrücken. Dann wirst du nicht mehr in der Lage sein, überhaupt noch etwas zu leisten, zu erreichen oder dich für etwas zu motivieren.

Burnout ist ein schleichender Prozess. Es wird schlichtweg nicht wahrgenommen, was da mit der Psyche, der Seele und mit dem Körper passiert. Über ganz lange Strecken hört man Aussagen wie „Es geht schon“ oder „Alles gut“.

Ist denn wirklich „Alles gut“?

Das frage ich dich! Geht’s dir wirklich gut? Schaffst du die kommenden 3, 5 oder 10 Jahre in diesem Tempo, in dieser Form, mit diesem Lebensmodell?

Schau doch mal in der folgenden Liste nach, welche Stufen des Burnout-Syndroms es gibt. (Stufenmodell nach Herbert Freudenberger & Gail North, Freiburg, 1992)

Dabei geht es nicht darum festzustellen, dass du dich auf einer bestimmten Stufe befindest und denkst, dass du jetzt geradewegs ins Burnout steuerst. Nein, darum geht es nicht! Es geht darum zu sehen, wohin es gehen kann und – du wirst dich selbst dabei „ertappen“ – ob du in einer Phase feststeckst oder dich ggf. schon etwas länger auf einer Stufe ausruhst.

Bitte verwechsle das auch nicht mit den Hochphasen im Leben, in welchen du vor Energie nur so strotzt und du die Welt einreisen kannst. Phasen, in welchen dich die Energiequellen bzw. die Ressourcen so gut versorgen, dass du allen Anforderungen gewachsen bist und der Energieverbrauch deutlich niedriger ist. In diesem Fall werden Aspekte der einzelnen Stufen ebenfalls zutreffen.

Wie gesagt: Du wirst wissen, wann du für dieses Thema aufmerksam werden musst.

  • Stufe 1: Der Zwang sich zu beweisen

    • Besondere Begeisterungsfähigkeit für die Arbeit
    • Erhöhte Erwartungen an sich selbst
    • Übersehen eigener Grenzen und Zurückstellen eigener Bedürfnisse
  • Stufe 2: Verstärkter Einsatz

    • Besondere Bereitschaft zur Übernahme von neuen Aufgaben
    • Freiwillige Mehrarbeit und unbezahlte Überstunden, auch an freien Tagen, am Wochenende und in der Urlaubszeit
    • Gefühl von Unentbehrlichkeit
  • Stufe 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

    • Chronische Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
    • Mehrkonsum von Kaffee, Aufputschmitteln bzw. Zigaretten
    • Gelegentliche Schlafstörungen
  • Stufe 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

    • Fehlleistungen wie z. B. Vergessen von Terminen, Nichterledigen von versprochenen Aufgaben, Ungenauigkeit, Energiemangel, Schwächegefühl
    • Aufgabe von Hobbys
  • Stufe 5: Umdeutung von Werten

    • Abstumpfung und Aufmerksamkeitsstörungen
    • Meiden privater Kontakte, die als belastend empfunden werden
    • Probleme mit dem Partner/der Partnerin, mit Zeichen des Beziehungs-Burnouts
  • Stufe 6: Verstärkte Verleugnung aufgetretener Probleme

    • Gefühl mangelnder Anerkennung, Desillusionierung
    • Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen, Arbeitszeiteinstellung, die als innere Kündigung bezeichnet werden kann
    • Vermehrte Fehlzeiten, verspäteter Arbeitsbeginn, vorverlegter Arbeitsschluss
  • Stufe 7: Rückzug

    • Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit, Ohnmachtsgefühle, innere Lehre
    • Ersatzbefriedigung durch Essen, Alkohol, Drogen, Spielen, Sexualität
    • Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit, Ungenauigkeit, Desorganisation, Entscheidungsunfähigkeit
    • Psychosomatische Reaktionen, Gewichtsveränderungen, Herzklopfen, Bluthochdruck
  • Stufe 8: Deutliche Verhaltensänderung

    • Eigenbrötelei, Selbstmitleid, Einsamkeit, ärgerliche Reaktionen auf gut gemeinte Zuwendung
    • Verringerte Initiative – verringerte Produktivität: Dienst nach Vorschrift
    • Verflachung des sozialen Lebens: Gleichgültigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit
    • Verflachung des sozialen Lebens: Wenig persönliche Anteilnahme an anderen, gleichzeitig exzessive Bindung an Einzelne, Meidung beruflich-sozialer Kontakte
  • Stufe 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit

    • Entfremdung, Gefühl des Abgestorbenseins und innere Lehre
    • Automatenhaftes Funktionieren
    • Psychosomatische Reaktionen treten noch mehr in den Vordergrund
  • Stufe 10: Innere Lehre

    • Wechsel zwischen starken schmerzhaften Emotionen mit dem Gefühl des inneren Abgestorbenseins
    • Phobische Zustände, Panikattacken und Angst vor Menschen
    • Eigenbröteleien, Einsamkeit, negative Einstellung zum Leben
    • Fallweise exzessive sinnliche Befriedigung, z. B. Kaufräusche, Fressattacken, exzessiver Sex ohne wirkliche Befriedigung
  • Stufe 11: Depressionen und Erschöpfung

    • Negative Einstellung zum Leben, Hoffnungslosigkeit
    • Erschöpfung, starker Wunsch nach Dauerschlaf
    • Existenzielle Verzweiflung, Selbstmordgedanken und -absichten
  • Stufe 12: Völlige Burnout-Erschöpfung

    • Lebensgefährliche geistige, körperliche und emotionale Erschöpfung
    • Angegriffenes Immunsystem, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen
    • Suizidalität, Selbstmordgefahr

Bitte beachte, dass diese Liste lediglich als Anregung dient, um dich an diese Thematik heranzuführen. Die Liste dient in keinem Fall der (Selbst-)Diagnostizierung. Davon möchte ich mich an dieser Stelle persönlich distanzieren.

Noch einmal möchte ich aber die zehn Stufen aufgreifen:

Es geht darum zu bemerken, dass du schon eine ganz lange Zeit mit den erwähnten Herausforderungen kämpfst und vielleicht auch Schwierigkeiten hast, aus diesen Zwängen auszubrechen.

Gleichzeitig heißt es nicht, dass du auf Stufe sechst bist und auf ein Burnout zusteuerst, wenn du gerne früh Feierabend machst. Oder wenn du mal eine Phase der Orientierungslosigkeit hast, weil du nicht weißt wie es in deinem Leben weitergehen soll, bist du nicht automatisch auf Stufe sieben.

Achte auf die Zeichen deines Lebens und deines Körpers

Diese zehn Stufen münden in ein Modell unter vielen, das dir dabei helfen kann zu erkennen, auf welchem Weg du dich befindest und ob es nicht gerade angebracht wäre innezuhalten und zu reflektieren, wie es dir geht.

Achte einfach auf dich und was in deinem Leben passiert. Sei dir im Klaren darüber, dass du immer wieder die Wahl hast und darüber entscheiden kannst, wie es für dich weitergeht. Du kannst etwas verändern und wenn die Zeichen weniger gut stehen, dann musst du vielleicht sogar etwas verändern. Hab auf jeden Fall keine Angst davor, rechtzeitig das Ruder rumzureißen. Es wird anfangs ein ziemlicher Kraftakt sein, aber es wird leichter und sich am Ende auszahlen.

Du wirst es für deine Gesundheit tun. Du wirst es für dein Leben tun. Du wirst es für DICH tun.

Von ganzem Herzen
Deine Anja Buntz

PS: Und wenn du Unterstützung bei der Veränderung brauchst, dann bin ich für dich da!

Foto by Henry Be on Unsplash

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