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In der Dunkelheit anderen eine Fackel sein

Wieviel Kraft uns wirklich innewohnt

Gerade dann, wenn wir uns so sehr an das Licht gewöhnt haben, weil wir eine schwierige Phase überstanden, den Tunnel durchlaufen oder die Trauer überwunden haben, gerade dann, wenn wir uns in unserer Haut endlich wieder wohl fühlen, genau dann wird uns bewusst, woran wir gewachsen sind. Uns wird bewusst, wozu wir heranreifen sollten und woran wir wachsen durften. Es erscheint uns häufig als Fügung, dass wir diesen Abschnitt unseres Lebens erfahren mussten. Wir erstrahlen in neuem Glanz, in neuer Freude und absoluter Glückseligkeit. Eine wahnsinnstolle Erfahrung!

Wie häufig ist es dir schon so ergangen?
Wie oft bist du schon durch zermürbende Phasen hindurch?

Es trifft jeden von uns mehrmals im Leben. Mehrmals schlittern wir hinein in diese Achterbahnfahrten und versuchen so gut wie nur irgendwie möglich darin zu bestehen und es durchzustehen. Es kostet uns Kraft, Nerven, Energie und auch Lebenszeit. Und jedes Mal, wenn sich eine neue dunkle Zeit ankündigt, machen wir uns auf alles und vielleicht auch auf das Schlimmste gefasst.

Wenn du diese Situation kennst, dann reihen wir uns beide ein in die Schlange der ahnungsvollen, sensiblen und gefühlsbetonten Menschen. Es kann sich wunderbar anfühlen. Das Leben kann sich über allen Wolken abspielen – himmelhochjauchzend, wie man so schön sagt. Es kann jedoch auch sehr trist, niederschmetternd und „zu Tode betrübend“ sein. Welche Periode es auch immer ist, sie ist sehr intensiv.

Weder das eine noch das andere Leben

Gut, es wäre vielleicht insgesamt alles gut tragbar. Wären wir in der Lage uns voll und ganz diesen Lebensaufgaben und -abschnitten zu widmen. Gleichzeitig wissen wir, dass das unmöglich ist. Denn wir haben auch andere Aufgaben und Verpflichtungen, die wir erfüllen müssen oder freiwillig erfüllen wollen. Es geht nicht, dass wir uns nur um das Durchleben einer dunklen Phase widmen und schnellst- und bestmöglich hindurchkommen. Es geht ebenso wenig das Fliegen und Dahingleiten in einer Hochphase, in der wir uns rund um die Uhr die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Weder das eine, noch das andere funktioniert autark und losgelöst von unserem Alltag. Wir müssen trotz all dem unser gesamtes Leben leben, mit allem was dazu gehört. Wir müssen trotz der ganzen persönlichen Entwicklung, die vor allem in uns geschieht, weiter machen. Belastendes erleben, auch wenn wir innerlich vor Freude platzen. Schönes erkennen und zeigen, auch wenn wir gerade implodieren. Wir müssen den anderen eine Fackel sein!

Es ist in der Tat eine besondere Herausforderung, wenn wir für andere leuchten und erstrahlen sollen, Mut und Stärke verkörpern müssen und anderen Menschen helfen dürfen, auch wenn in uns das Licht gerade auf Sparflamme fährt. Wie soll das funktionieren? Wie gelingt es uns, diese Fackel geradewegs in den Himmel zu strecken, voranzugehen, den Weg zu erhellen und dadurch die Dunkelheit anderer Menschen zu verbannen?

Die Kraft die in uns wohnt

Es ist schwer in Worte zu fassen, wie uns das gelingt – es funktioniert einfach. Da kommt eine Power aus uns heraus, die uns trotz dem inneren Chaos nach außen hin souverän und kraftvoll erscheinen lässt. Mehr noch, die uns auch tatsächlich Wunder vollbringen lässt. Das Wunder, wenn all unsere Reserven aufgebraucht erscheinen und wir dennoch über uns hinauswachsen können.

Ich selbst erlebe es immer wieder. Gerade in der unsicheren Anfangsphase der Selbständigkeit gibt es nahezu täglich Ups and Downs. Hier konstant positiv mitzuhalten ist schon eine sehr sportliche Angelegenheit. Da geht der Akku häufig Richtung Grenze Null und mit dem Aufladen komme ich so schnell gar nicht hinterher. Aber auch in dieser Situation gibt es Anfragen von Klientinnen, denen ich selbstverständlich von Herzen gerne nachkomme. Meine Grundmotivation ist es schließlich, anderen Menschen zu helfen und sie auf Ihrem Weg ein Stück weit zu begleiten. Bis sie dort angekommen sind, wonach sie sich sehnen. Also werde ich trotz meiner dunklen „Low-Phase“ intrinsisch dazu angetrieben, weiterzumachen und meine Arbeit zu tun.

An diesem Punkt muss ich die Fackel sein, die für andere leuchtet, weil sie sich in der Orientierungslosigkeit verloren haben.

Das ist wirklich nicht immer leicht. Ich möchte das nicht als „Gute-Miene-zum-Bösen-Spiel“ bezeichnen. Ganz und gar nicht, denn das wäre gelogen. Schließlich liebe ich meine Arbeit als Coach. Und „das Spiel“ ist weder ein Spiel – sondern ernstes Leben – noch ist es böse, im Sinne von bösen Absichten. Denn alles, was meine Klientinnen mit ins Coaching bringen, betrachte und behandle ich mit Respekt, Authentizität und im Vertrauen. Alles im Coaching ist wahrhaftig. Dies kann natürlich auch mit Emotionen wie Wut, Trauer und Aggression verbunden sein. Aber das ist menschlich – real – und gehört dazu.

Und was ist es, wenn es nicht die gute Miene ist? Es ist die Anstrengung, die positive Atmosphäre zu bewahren (die für gewöhnlich automatisch aus mir herauskommt), bei gleichzeitigem negativem Empfinden, weil ich auf meinem eigenen Weg gerade nicht weiter weiß und völlig im Dunkeln tappe. Umso überraschender ist es dann, wenn Klientinnen feedbacken und mir mitteilen, dass das Coaching „heute wieder so erleichternd war“. Innerlich seufze ich dann und schüttle imaginär meinen Kopf. Gleichzeitig höre ich eine Stimme in mir sagen: „Du trägst deine Fackel nach wie vor und du trägst eine Fackel in dir. So halte sie nun auch für dich selbst in die Höhe und erhelle deinen eigenen Weg!“

Die Fackel brennt immer in dir

Es ist erstaunlich wie uns so etwas gelingen kann, wenn wir das Richtige zur richtigen Zeit am richtigen Ort tun. Für dich mag es absurd klingen, aber es ist eine Möglichkeit, die unbändige Kraft in dir zu nutzen. Selbst wenn du für dich selbst kaum mehr Energie zur Verfügung hast, du dich morgens aus dem Bett schleppst und du das Bett bereits am Nachmittag laut rufen hörst. Selbst wenn du für dich selbst nichts mehr auf die Reihe bekommst, du nachlässig wirst und träge, selbst dann kannst du anderen helfen. Selbst dann kannst du das Licht am Ende des Tunnels sein und die Freude nach der Trauer.

Wenn du deine Berufung findest und lebst, dann treibt dich eine nicht enden wollende Kraft an.

Die Tatsache, dass du etwas Sinnvollem und Nützlichem dienst – der Auftrag an dich, in diesem Leben, auf dieser Erde – wird dich dazu befähigen, in der Dunkelheit anderen eine Fackel zu sein.

Von ganzem Herzen
deine Anja Buntz

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