Wandercoaching Ettal

Wandercoaching in den Ammergauer Alpen

Das Thema hinter dem Thema entdecken

Juhuuu, mein Herz springt! Ich darf mit einer Klientin zum Wandercoaching in die Berge. Und ich darf in meine so geliebten Ammergauer Alpen. Genauer gesagt geht es nach Ettal. Was für eine Wonne! =D Ich bin wirklich wirklich wirklich begeistert davon, wenn sich Menschen für diese Art von Coaching entscheiden. Nicht nur, weil ich dann einen atemberaubenden Arbeitsplatz habe, sondern weil sich währenddessen so viel bewegen kann. Mehr als bei einem Naturcoaching vor Ort.

Start mit historischem Hintergrund, erstem Hindernis und einer wichtigen Frage

Wir starten am Schloss Linderhof und bevor wir uns so richtig auf den Weg machen, müssen wir eine Brücke überqueren. Vorher frage ich meine Klientin: „Was möchtest du hier ablegen, auf dieser Seite des Flusses lassen und schon gar nicht mit hoch auf den Berg nehmen?“ Der Stein kommt ins Rollen…

Was ich vielleicht auch noch kurz erwähnen muss ist, dass diese Klientin eine sehr große Herausforderung für mich ist. Das weiß ich und das spür ich, eben weil ich nichts spüre. Ich sehr schnell ein Gefühl dafür, was meine Klientinnen und Klienten bewegt, berührt und auch was ihnen fehlt. Nur in diesem Fall fällt es mir sehr schwer diesen „Zugang“ zu finden. Aber genau das ist es auch, was mich an meiner Arbeit als Coach so begeistert: Dieses nicht Vorhersehbare, die Herausforderung, dass jedes einzelne Mal so ungewiss und nicht durchgängig planbar ist (Für mich als Planungsfreak echt eine Aufgabe!). Jeder Mensch ist so individuell und so ist auch jedes einzelne Setting individuell. Wenn es also Menschen gibt, deren Schloss schwer zu knacken ist, dann gehört auch das dazu.

Okay, wir steigen nach der Flussgeschichte in unsere Route ein, um das Thema meiner Klientin aufzudecken. Anders ausgedrückt: Sie weiß einfach nicht, was genau ihr da immer im Wege steht. Was sie davon abhält, ihren Weg des Erfolges zu gehen. Mit Beginn unserer Wanderung erhält sie von mir die Aufgabe insgesamt neun Dinge zu sammeln: Etwas Hartes, Weiches, Schweres, Leichtes, Glattes, Spitziges, Ungewöhnliches, Nahrhaftes und etwas Schönes. Ich halte mein Sammelsäckchen parat. Mit dem Ziel der Brunnenkopfhütte wandern wir stetig bergauf.

Den Kontakt zu Mutter Erde spüren

Das Tolle bei dieser Art des Coachings ist es, dass Klientinnen und Klienten nach und nach Erdung erfahren. Sie fahren herunter, kommen aus dem Alltagstrott heraus (bereits die Anfahrt zum Startpunkt löst die Anspannung und den Stress des Alltags. Es löst nicht den Stress der Aufregung: was kommt auf mich zu? 😉) und lösen sich ein Stück weit von allem. Es ist die räumliche Trennung und Distanz zum Alltag. Es ist die unbeschreibliche, große Natur, die die eigenen Probleme relativiert. Und es ist auch das Bergauf- und Bergabgehen, das den Körper fordert, die Aufmerksamkeit auf die wichtigen, sicheren Schritte legt und den Menschen dadurch zentriert. Sie sind dann ganz bei sich. Dadurch werden viele Themen klarer und relevanter oder aber auch unwichtiger.

Die Regelmäßigkeit von Bewegung und Gedanken

Während meine Klientin nach und nach sammelt, befinden wir uns im Gespräch über die aktuelle Situation. Dadurch fallen immer wieder die gleichen Schlagworte, die eine gewissen Wichtigkeit signalisieren. Wir merken sie uns! Außerdem gibt es immer wieder auch stille Momente. In denen wir nur wandern, die Strecke genießen und uns freuen, in mitten dieser Natur zu sein.

Auch das Schweigen ist ein wichtiger Teil in diesem Coaching. Dadurch können Worte nachklingen und die dafür notwendigen Gefühle keimen und mitschwingen. Hinzu kommt, dass bei einem Coaching vor Ort die Zeit begrenzt ist. Sodass diese Entspannungs- und „Nachklang“-Phasen nicht ausgiebig erlebt werden können. Das Coaching muss zu einer gewissen Zeit zum Ende finden. Dieser Zeitdruck löst sich während eines Wandercoachings auf. Hier geht Coaching und Erleben ineinander über. Wofür sich die Klienten oder der Klient häufig wenig Zeit nimmt, darf auch hier mal sein: Durchatmen in der Natur. Wandern in der Natur. Und vor allem auch das gesetzte Ziel erreichen, sowie das Erreichen erleben. Das Genießen und Zulassen von angenehmen Gedanken und Gefühlen hat bei dieser Art von Coaching mindestens den gleichen Anteil, wie das Finden von Lösungen auch.

Wir brauchen eine Pause

Da die Wanderstrecke entsprechend den Wetterbedingungen als auch konditionellen Bedingungen gewählt ist (Wir beide wandern normal viel extremere Touren. Nur wäre das fürs erste gemeinsame Wandercoaching zu viel des Guten. Die Energie, die es für das mentale Arbeiten braucht, darf nicht unterschätzt werden), kommen wir zur Pausenzeit an der Hütte an. Genau das richtige finden wir beide einstimmig. An der Hütte selbst ist es etwas kühl, sodass etwas Warmes im Bauch eine Wohltat ist. Wir machen Pause. Der Kaiserschmarrn fehlt natürlich auch nicht. Der ist ein Muss!

Die Vernunft und der Respekt vor der Natur siegen

Den Gipfelabstecher nach der Mittagspause lassen wir auf Grund des aufziehenden Gewitters sausen. Gesund am Berg ist, wer Respekt hat und seine Grenzen kennt. Also machen wir uns auf den Rückweg nach unten. Nicht aus den Augen verlieren wir die neun Dinge im Gepäck. Dazu lasse ich die Klientin einen Platz suchen, der sie anspricht und an dem wir mit den Gegenständen arbeiten können.

Daraus ergibt sich eine Reihenfolge und es werden die damit assoziierten Themen benannt. So kommen wir dahinter, was am aller meisten auf ihrem Weg hinderlich ist: Schwere und Härte. Aha! In Kombination gibt es für die Gegenstände, die dafür stehen auch eine Erläuterung. So zeigt sich ihr und auch mir, dass es häufig nebulös um sie ist und genau dann die Phasen der Blockade auftreten. Es fehlt eine Klarheit. Diese Klarheit gilt es nun zu erörtern. Wie findet sie Klarheit in diesen Situationen? Was hilft ihr dabei? Wie spürt sie zukünftig rechtzeitig, dass sie gerade auf den Nebel zusteuert? In welchen Lebenssituationen lebt sie Klarheit ganz unbewusst aber zu 100 Prozent? Es gibt viele Fragen, die sie dazu beantworten kann.

Eine Vermeidungsstrategie des Unterbewusstseins

Was aber im Großen und Ganzen dahintersteckt, ist eine ganz andere Sache. Diese möchte ich an dieser Stelle nicht nennen. Aber während des Wanderns werden wir ziemlich bald darauf aufmerksam, weshalb ihr Unterbewusstsein diese Vermeidungsstrategien anwendet. Es gibt etwas, das sie immer wieder zu dieser Nebelwand führt. Und wir erkennen es sehr genau. Und an diesem Tag ist es vielleicht noch nicht wichtig, dass wir dieses Große angehen, sondern einfach, dass wir es erkennen und wissen, es verursacht den Nebel und dadurch Schwere und Härte!

Und so wandern wir im Gespräch, welche Strategie sie zukünftig durch oder aus dem Nebel oder drum herum führen und wie die Strategie im Alltag adaptiert werden kann. Wie gesagt, im Wandercoaching bleibt viel Raum und Zeit, um dies ausführlich und auch entschleunigter zu tun. Und so bleibt auch immer wieder Zeit anzuhalten, Fotos zu machen, die Natur zu genießen, im Bergbach zu plantschen und so weiter. Wir genießen den Rückweg förmlich und lassen uns hinab treiben zum Ausgangspunkt am Schloss Linderhof. Auch dort lassen wir uns noch ein wenig durch die Touristen treiben, beschließen aber, dass wir mehr Ruhe und weniger Leute brauchen. Also peilen wir auf dem Heimweg noch ein Café an, wo es das wohlverdiente Eis gibt. 😉

Wie du siehst, passiert bei einem Wandercoaching eine ganze Menge. Aber vor allem passiert viel in dir und mit dir. Es bewegt dich und es bewegt dein Leben. Es bringt – Mehr Leben in dein Leben! Garantiert. Ich wünsche dir bei deiner nächsten Wanderung daher, dass du dieses Glücksgefühl erleben kannst, das ich habe, wenn ich in den Bergen unterwegs bin. Mit und ohne Klientinnen und Klienten. Genieße es!

Von ganzem Herzen
deine Anja Buntz

Foto by myself